Mit Manfred Wolke in den Box-Himmel

(Saarbrücker Zeitung.Saarbrücken.)  Manfred Wolke hat Henry Maske zum Weltklasse-Boxer geformt. Jetzt bereitet er den Saarländer Jürgen Doberstein auf dessen Kampf am 22. November in der Saarlandhalle vor. SZ-Redaktionsmitglied Michael Aubert sprach mit der Trainer-Legende über Dobersteins Qualitäten und WM-Chancen.

Sie sind 71 Jahre alt, seit 55 Jahren im Box-Sport. Haben Sie schon ans Aufhören gedacht?

Manfred Wolke: Oh ja, das verflixte Alter, das schleicht mir nach. Wenn der Jürgen mich nicht gebeten hätte, hätte ich auch nichts mehr gemacht.

Warum trainieren Sie Jürgen Doberstein wieder? Durch die gemeinsame Zeit beim Sauerland-Boxstall?

Wolke: Ja, ich mache das nur, weil ich ihn schon kenne. Er bringt sehr gute Voraussetzungen mit, besonders für die Ausdauer. Das wird auch sein Schwerpunkt sein.

Wie schätzen Sie Dobersteins Klasse ein? Kann er es ganz nach oben schaffen?

dob3Wolke: Ich kann nicht sagen, in welcher Zeit – aber wenn er dabei bleibt, bin ich fest davon überzeugt, dass er es schaffen kann. Jürgen ist ein Fleißiger, man kann sich auf ihn verlassen. Das war der Grund zu sagen: Ja, die Geschichte ziehe ich noch durch. Aber das heißt nicht, dass er in einem Vierteljahr Weltklasse ist. Es müssen Dinge vollzogen werden, die Zeit brauchen. Nur so kann man sich an härtere Gegner heranwagen.

Was muss vollzogen werden?

Wolke: Das Training ist das A und O. Er muss so stabil und sicher werden, dass er auch andere Box-Stile beherrschen kann. Die Leistungsebene, die Jürgen erreichen will, verlangt harte Arbeit und sportgerechtes Leben. Aber wenn jemand so ausgestattet ist wie er, kann man sagen: Wenn alles gut läuft und er bedingungslos bleibt, ist er einer, der ganz nach vorne marschieren kann. Letztlich kommt es immer auf ihn an.

Nach dem Ausfall von Hugo Kasperski, der einen Unfall hatte, ist der Gegner am 22. November in der Saarlandhalle Kevin Thomas Cojean. Er steht vor Kasperski in der Weltrangliste.

Wolke: Der Franzose wird von Anfang an volles Tempo gehen und Jürgen bedingungslos fordern. Es geht darum, Jürgen stabil zu machen, von der Physis, der Ausdauer, aber vor allem von der Taktik her, damit er nicht in Nöte gerät.

Am Samstag trifft Robert Stieglitz auf Felix Sturm. Der Sieger boxt wohl gegenArthur Abraham, vielleicht um den WM-Titel. Da will Doberstein hin.

Wolke: Dass er das Ziel vor Augen hat, halte ich für gut und wichtig – dass er die Motivation hat und den Anspruch, in diese Leistungsklasse zu kommen. Dem muss er sich stellen.

Welche Chancen räumen Sie Doberstein ein, sich für einen WM-Kampf zu positionieren?

Wolke: Wir müssen schon jetzt im Training ganz schön drauflegen. Er geht mit, stellt sich den Dingen, ist sehr trainingsfleißig. Aber um ihn boxerisch so weit zu bringen, dass er Weltklasse-Gegner ausschaltet, muss er einen Schritt nach dem anderen gehen. Wir müssen abwarten, wie alles läuft. Im Endeffekt hängt es nur an einem: seiner eigenen Leistung. Die muss sich so entwickeln, dass er unanfällig wird gegen alle Gegner-Typen.

Muss er unter den ersten fünf der Weltrangliste stehen, um einen WM-Kampf zu bekommen?

pbWolke: Nein. Es kann auch ein großer Schritt kommen, mit dem man große Leute überspringt. Wichtig ist, dass er mit jedem Gegner neue Erkenntnisse erhält, auch über sich selbst: Das war gut, oder das verändern wir. Wir müssen in seiner Entwicklung wissen, wo wir stehen, was wir können. Die Haltung hat er. Er trainiert viel, ist bedingungslos, stellt sich den Anforderungen. So ist es richtig. Nur so kann er sich entwickeln. Er muss seinen Box-Stil so beherrschen, dass er alle boxen kann, ob die robusten Nahkämpfer, Tempoleute oder die guten Taktiker. Die Frage ist, wie schnell wir in diese Leistungsebene kommen.

Ist es ein Problem, dass ihm die Praxis fehlt mit nur einem Kampf im vergangenen Jahr?

Wolke: Ja, man spürt es und sieht es auch. Es ist eine schwierige Sache für ihn.

Braucht er also noch Zeit?

Wolke: Ach Zeit, Zeit, Zeit. Wir müssen schauen, wie er Dinge, die er sich angeeignet hat, im Wettkampf umsetzen kann. Er ist von den Nerven ein sehr stabiler Mann, der eine gewisse Sicherheit mitbringt und seine Leistungsfähigkeit voll ausschöpfen kann.

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